Langeweile?

Langeweile?

In den letzten fünf Wochen des „Bleibt-Zuhause“ in Deutschland trifft man in den Medien und im Internet immer öfter auf Ratschläge gegen Langeweile, und das nicht nur bei Kindern (wie wir es sonst kennen). Hoch im Kurs ist Basteln, gefolgt von Streamingdiensten für Filme, Möglichkeiten zur Online-Buchleihe und und und…. Mir zwingt sich die Frage auf: bei wie vielen ist tatsächlich Langeweile aufgekommen? Hätte dieser Zustand durchaus positive Aspekte?

In der momentanen Situation würden sich wahrscheinlich viele Erwachsene eher glücklich fühlen, hätten sie doch bloß etwas Zeit für einen sonst undenkbaren 18-Stunden Serienmarathon – nur aus purer Langeweile. Fehlanzeige. Wenn es nicht gerade im systemrelevanten Beruf gearbeitet wird und einem durch verkürzte Arbeitszeit etwas vom Tag bleibt, wird auf einmal die Notwendigkeit zu einem neuen Wohnzimmer-Anstricht, Badrenovierung oder gar zu einem kompletten Möbelaustausch gesehen. Es wird gebohrt, gewerkelt und an vielen Straßenecken stapelt sich zur Abholung bereitgestellter Sperrmüll. Und auch unser gemeinschaftlicher Gemüsegarten sieht in diesem Jahr außerordentlich gepflegt aus.

Wenn auch die Buchhandlungen demnächst wieder öffnen dürfen, dann kann die Langeweile endlich kommen. Hoffentlich.

Eine Ko­lum­ne von Talya / Politikwissenschaftlerin aus Poll

 


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