Ist die Inzidenzzahl als Maßstab für die Bewertung der Krise zeitgemäß und ausreichend?

Ist die Inzidenzzahl als Maßstab für die Bewertung der Krise zeitgemäß und ausreichend?

 

Eine Kolumne von Tom:

In den letzten Monaten wurde mehr auf Corona getestet als im Frühjahr. Allein wegen der höheren Anzahl der Tests steigt die Zahl der entdeckten Infizierten. Zwar sind aktuell auch nach wissenschaftlich korrekten Berechnungen in der Tat mehr Personen an Corona infiziert als im Frühjahr, aber die Zählung der zufällig gefundene Fälle,  die sogenannte „Inzidenzzahl“ ist nicht der Beweis dafür. Hätte man in dieser Zeit weniger Tests durchgeführt, hätte man weniger Infizierte entdeckt und die Inzidenzzahl wäre kleiner. Auch wenn die tatsächliche Anzahl der Infizierte gleich hoch wäre.

Das Prinzip „Mehr Tests, höhere Inzidenzzahl! Und weniger Tests, geringere Inzidenzzahl!“ ist methodisch falsch und schon lange nicht mehr zeitgemäß.
Nach dem gleichen Prinzip könnte man am Samstag 2 Stunden Pilze im Wald suchen gehen und 20 Pilze finden und am Sonntag, nach 6 langen Stunden und 40 gefundenen Pilze einfach behaupten, dass sich die Inzidenzzahl der Pilze im Wald von Samstag auf Sonntag verdoppelt habe. Dabei hat man jedoch nur dreimal länger gesucht.

Diese Willkürlichkeit darf nicht als Maßstab für wichtige Entscheidungen, bzw. das Unterlassen von nötigen Entscheidungen in der Gesellschaft verwendet werden. Die statistische Einschätzung der Corona-Zahlen sollte sich nach einem „vernünftigen Bezugsrahmen“ richten. Selbstverständlich bietet auch das RKI andere Zahlen und Methodiken zur Erkennung des Entwicklungsverlaufs der Corona-Ausbreitung in Deutschland, die aussagekräftiger und sinnvoller sind als die Inzidenzzahl nach gefunden Fällen. Aber die Bundesregierung hat sich ausdrücklich für die Inzidenzzahl als Maßstab für ihr Handeln entschieden.


Die Tatsache bleibt, dass die Inzidenzzahl eine zufällige und sogar manipulierbare* Größe mit geringer Aussagekraft ist. Die Inzidenzzahl eignet sich eher für politische Aktionismus bzw. könnte sie ggf. verbergen, dass nötige Maßnahmen unterlassen werden.

Das Verwenden von willkürlichen Zahlen ist nicht wissenschaftlich korrekt und es ist für eine sinnvolle Bewältigung der Krise denkbar ungeeignet.
Wir sind alle aufgerufen diese politische Handhabung der Bundesregierung in der Corona-Krise zu hinterfragen.

Eine Kolumne von Tom / Wissenschaftler und aktiver Bürger


*) Wenn die Politik mehr staatlich kostenlose Tests anbietet und mehr Vorschriften zur Vorlage eines Negativtests erlässt, dann gibt es folglich mehr Tests und die Inzidenzzahl steigt. Sollte man die politische Förderung und Forderung von Tests herunterfahren, dann manipuliert man die Inzidenzzahl wieder nach unten. Das hat keine Aussagekraft über die tatsächliche Corona-Situation in Deutschland.


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